KI-Lagebericht · Ausgabe Oktober 2026
Was im KI-Markt wirklich passiert.
Kurz gesagt
Die meisten Firmen probieren KI aus, wenige bringen sie in den Betrieb. Beschäftigte sind oft weiter als ihr Betrieb, gefühlter Nutzen und gemessener Nutzen gehen auseinander, und es fehlt eher Wissen als Geld. Die neun Befunde unten stammen aus amtlicher Statistik, von der Europäischen Zentralbank, aus unabhängigen Studien und von Gerichten, dazu die Dokumentation der Anbieter über ihr eigenes Verhalten. Umfragen von Beratern oder Anbietern nutzen wir nicht.
Nächste Ausgabe: Januar 2027. Was das für Ihren Betrieb heißt, klären wir im Erstgespräch, 30 Minuten, kostenlos.
Die neun Befunde in einem Satz
- Rund 70 % der Firmen im Euroraum nutzen KI, aber nur 7 % in nennenswertem Umfang.
- Die viel zitierte Formel vom Scheitern ist keine Messung. Belegt ist: Rund 5 % der untersuchten Organisationen erreichten mit KI eine dauerhafte Wirkung.
- 29 % der beruflichen KI-Nutzenden in Deutschland arbeiten mit Werkzeugen, die nicht vom Betrieb kommen, in Kleinbetrieben 34 %.
- In einer randomisierten Studie brauchten erfahrene Entwickler mit KI 19 % länger und hielten sich für 20 % schneller.
- Anthropic hat von Januar bis November 2026 an sechs Terminen 8 Modelle stillgelegt oder die Stilllegung angekündigt. Danach schlagen Anfragen an das alte Modell fehl.
- In einer nachgebauten kleinen Softwarefirma schaffte der beste KI-Agent 30 % der Aufgaben vollständig selbstständig.
- Firmen, die KI erwogen und nicht eingeführt haben, nennen zu 72 % fehlendes Wissen und zu 32 % die Kosten. Deutschland liegt auf Rang 8 von 27 in der EU.
- Deutsche Firmen nennen Rechtsunsicherheit dreimal so oft wie schwedische. Öffentlich bekannte Verfahren nach dem EU AI Act haben wir keine gefunden, aber ein Oberlandesgericht ließ ein Unternehmen für seinen Chatbot haften.
- Das britische Ministerium zählt 524 Anbieter, die KI prüfen und absichern. Bei der Nutzung in Firmen mit 10 bis 249 Beschäftigten liegt Dänemark gut ein Jahr vor Deutschland.
Die Befunde im Einzelnen
Die meisten Firmen nutzen KI irgendwie. Nur wenige in nennenswertem Umfang.
In der Unternehmensbefragung der Europäischen Zentralbank sagen rund 70 % der Firmen, dass sie KI in irgendeiner Form nutzen. In nennenswertem Umfang tun es 7 %. Bei kleinen Firmen ist das kaum anders als bei großen.
Warum deutsche Unternehmen KI nach Prüfung nicht einführen: 72 % nennen fehlendes Wissen, 62 % Unklarheit über rechtliche Folgen, 60 % den Datenschutz, 45 % fehlende Anbindung an vorhandene Systeme, 44 % die Daten und 32 % die Kosten.
Für Sie: Welcher Ihrer KI-Versuche läuft heute im Alltag, und welcher ist eingeschlafen?
Quelle: Europäische Zentralbank, Unternehmensbefragung SAFE, Occasional Paper 395, Juli 2026 (rund 6.000 Firmen in 12 Euro-Ländern, 92 % davon KMU); Destatis 2025 (Gründe gegen die Nutzung von KI, Unternehmen, die KI erwogen und nicht eingeführt haben)
„95 % der KI-Projekte scheitern“ ist keine Messung.
Die Formel stammt aus einem MIT-Bericht, der „95 %“ selbst uneinheitlich verwendet. Gemessen hat er etwas Engeres: Von allen untersuchten Organisationen erreichten rund 5 % mit KI-Werkzeugen für bestimmte Aufgaben eine dauerhafte Wirkung. Von denen mit Pilot kam rund ein Viertel so weit. Als Hauptgrund nennt der Bericht Werkzeuge, die nicht in die eigenen Abläufe passen.
Der Bericht beruht auf Interviews und Befragungen und nennt seine Zahlen selbst richtungsweisend. Er ist eine Momentaufnahme aus der ersten Hälfte 2025, keine begutachtete Studie.
Für Sie: Welcher Ihrer KI-Versuche läuft heute im Alltag? Und wer ist dafür verantwortlich?
Fast jeder Dritte, der bei der Arbeit KI nutzt, verwendet Werkzeuge, die der Betrieb nicht bereitgestellt hat.
29 % der Beschäftigten in Deutschland, die KI beruflich nutzen, verwenden Werkzeuge, die nicht vom Betrieb kommen. In Betrieben unter 50 Beschäftigten sind es 34 %.
Das heißt nicht heimlich. Oft fehlt einfach ein Angebot des Betriebs oder eine klare Regel, welche Daten in welches Werkzeug dürfen.
Für Sie: Wissen Sie, welche KI-Werkzeuge Ihr Team nutzt, und welche Daten dort hineingehen?
Mit KI fühlten sich Entwickler schneller. Gemessen waren sie langsamer.
In einer randomisierten Studie brauchten erfahrene Entwickler mit KI-Werkzeugen 19 % länger für echte Aufgaben. Danach schätzten sie, sie seien 20 % schneller gewesen.
Eine Folgemessung Ende 2025 deutet eher auf einen kleinen Vorteil hin, ist aber statistisch nicht von null zu unterscheiden. Eine Studie mit wenigen Teilnehmenden, kein Naturgesetz. Aber Gefühl und Messung gehen auseinander.
Für Sie: Woher wissen Sie, was KI bei Ihnen bringt: aus einem Gefühl oder aus einer Messung?
Quelle: METR, randomisierte Feldstudie mit 16 erfahrenen Entwicklern und 246 Aufgaben, Juli 2025
Allein ein großer Anbieter schaltet in diesem Jahr acht KI-Modelle ab.
Anthropic, der Anbieter von Claude, hat von Januar bis November 2026 an sechs Terminen acht Modelle stillgelegt; einer der Termine ist für Ende November angekündigt. Danach schlagen Anfragen an das alte Modell fehl. Vorher gibt es mindestens 60 Tage Vorlauf.
Andere Anbieter stellen ihre Modelle ebenfalls nach eigenen Plänen um. Jeder Ablauf, der auf einem bestimmten Modell aufbaut, muss deshalb regelmäßig umgestellt und neu getestet werden, egal welcher Anbieter dahintersteht.
Für Sie: Wer stellt Ihre KI um, wenn das Modell darunter abgeschaltet wird? Und wer prüft danach, ob sie noch richtig arbeitet?
Quelle: Anthropic, Übersicht der Modell-Stilllegungen (Dokumentation des Anbieters), Stand Oktober 2026
Der beste KI-Agent erledigte in einer nachgebauten Firma 30 % der Aufgaben allein.
Ein Forschungsteam hat eine kleine Softwarefirma nachgebaut, mit internen Werkzeugen und realistischen Arbeitsaufgaben. Der beste getestete Agent, mit Modellen bis September 2025, erledigte 30 % davon vollständig selbstständig. Lange Aufgabenketten blieben außer Reichweite.
Agenten helfen, wo jemand ihre Arbeit prüft. Unbeaufsichtigt sind sie noch kein Mitarbeiter.
Für Sie: Welche Aufgabe würden Sie einem System geben, das die meisten Aufgaben nicht allein zu Ende bringt? Und wer prüft, was es tut?
Es fehlt eher am Wissen als am Geld.
Deutsche Unternehmen, die KI erwogen und nicht eingeführt haben, nennen als Grund zu 72 % fehlendes Wissen. Die Kosten nennen 32 %.
Bei der Nutzung liegt Deutschland auf Rang 8 von 27 in der EU: rund 26 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten nutzen mindestens eine KI-Technologie, in Dänemark rund 42 %. 2021 lag Deutschland noch auf Rang 6. Seitdem sind Schweden, Belgien und Österreich vorbeigezogen.
Für Sie: Wer in Ihrem Betrieb weiß, was KI kann und was nicht? Und hat es den anderen gezeigt?
Unternehmen ab 10 Beschäftigten, die mindestens eine KI-Technologie nutzen, 2025 Quelle: Eurostat, IKT-Erhebung in Unternehmen 2025 (isoc_eb_ai, E_AI_TANY), ohne Finanzsektor, Datenstand 2026-06-15
Quelle: Destatis 2025 (Gründe gegen die Nutzung von KI, Unternehmen, die KI erwogen und nicht eingeführt haben); Eurostat 2025 (IKT-Erhebung in Unternehmen, Unternehmen ab 10 Beschäftigten)
Unklar ist das Recht. Gehaftet wird vor Gericht.
Deutsche Unternehmen nennen rechtliche Unklarheit dreimal so oft als Grund gegen KI wie schwedische (9,3 % gegenüber 2,8 % aller Unternehmen). In Fachmedien haben wir bis Oktober 2026 kein öffentlich bekanntes Verfahren nach dem EU AI Act gefunden; die Aufsicht über die Transparenzpflichten läuft erst seit August 2026.
Gehaftet wird trotzdem. Das Oberlandesgericht Hamm hat im Mai 2026 entschieden: Ein Unternehmen haftet nach Wettbewerbsrecht für irreführende Angaben seines Website-Chatbots.
Für Sie: Was sagt Ihr Chatbot oder Ihr KI-Telefon, wenn niemand mitliest? Und wer hat es vor dem Start geprüft?
Zeitplan des EU AI Act, Stand 25.10.2026
Der EU AI Act tritt in Kraft
Die Pflichten kommen danach in Stufen.
KI-Kompetenz und erste Verbote
Betriebe, die KI einsetzen, sollen für KI-Kompetenz ihres Teams sorgen (Art. 4); seit dem Digital-Omnibus ohne festgelegtes Niveau. Manipulative KI und Social Scoring sind verboten.
Betrifft Betriebe, die KI einsetzenRegeln für große KI-Modelle
Anbieter von Modellen wie GPT, Claude oder Gemini müssen dokumentieren und offenlegen. Das betrifft vor allem die Modellanbieter, nicht die Betriebe, die sie nutzen.
Transparenz
Anbieter müssen Chatbots und KI-Telefonassistenten so gestalten, dass Menschen erkennen, dass sie mit KI sprechen. Wer täuschend echte KI-Bilder oder Videos veröffentlicht, muss sie kennzeichnen (Art. 50).
Betrifft Sie, wenn Kundinnen und Kunden mit KI sprechen oder KI-Inhalte sehenWeitere Verbote, Ende einer Übergangsfrist
Neue Verbote, etwa für nicht einvernehmliche intime KI-Inhalte. Für KI-Systeme, die vor August 2026 auf den Markt kamen, endet die Übergangsfrist zur Kennzeichnung von KI-Inhalten (Art. 50 Abs. 2).
Hochrisiko-KI
Strenge Pflichten für KI in sensiblen Bereichen, etwa bei Bewerberauswahl, Kreditprüfung oder Bildung (Anhang III). Durch den Digital-Omnibus verschoben, ursprünglich August 2026.
Betrifft Sie, wenn KI Bewerbungen sortiertHochrisiko-KI in Produkten
KI in regulierten Produkten wie Maschinen oder Medizintechnik (Anhang I).
Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act) in der Fassung des Digital-Omnibus, in Kraft seit 27. Juli 2026. Orientierung, keine Rechtsberatung.
Quelle: Eurostat 2025 (Anteil aller Unternehmen ab 10 Beschäftigten, die rechtliche Unklarheit als Grund gegen KI nennen); Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 12. Mai 2026, Az. 4 UKl 3/25; eigene Recherche in Fachmedien und Kanzleiberichten, Stand 22. Oktober 2026
In Großbritannien ist die Prüfung von KI schon ein eigener Markt.
Das britische Ministerium für Wissenschaft und Technologie zählte 524 Firmen, die KI-Systeme prüfen, testen und absichern, 84 davon spezialisiert. Zwei Jahre zuvor waren es 17 Spezialisten. Eine vergleichbare Zählung für Deutschland haben wir nicht gefunden.
Bei der Nutzung in Firmen mit 10 bis 249 Beschäftigten liegt Dänemark gut ein Jahr vorn: Deutschland erreichte 24,9 %, Dänemark lag ein Jahr zuvor schon bei 26,4 %. Unsere Einschätzung, keine Messung: Was in Großbritannien und Dänemark heute entsteht, also geprüfte Chatbots und Betrieb mit Nachweis, wird auch hier gefragt sein.
Für Sie: Könnten Sie heute belegen, dass Ihre KI tut, was sie soll?
Quelle: Britisches Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie, Erhebung zum Markt für KI-Prüfung, Stand 2024; Eurostat, Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten, 2024 und 2025; 2025 mit erweiterter Technologieliste
So zählen wir
- Nur belastbare Quellen. Amtliche Statistik (Eurostat, Destatis), die Europäische Zentralbank, unabhängige Studien von Forschungseinrichtungen und Gerichtsentscheidungen. Befragungen von Beratungen oder Softwareanbietern nutzen wir nicht, auch nicht als Gegenüberstellung. Von Anbietern übernehmen wir nur, was sie über ihr eigenes Verhalten dokumentieren, etwa Termine, an denen sie Modelle abschalten.
- Definition immer dabei. „Nutzt KI“ heißt bei Eurostat: Unternehmen ab 10 Beschäftigten, mindestens eine von acht KI-Technologien. Bei der EZB stufen Firmen jeder Größe ihre Nutzung selbst ein. Zahlen mit verschiedener Definition stellen wir nebeneinander, wir verrechnen sie nicht.
- Was eine Zahl nicht zeigt, sagen wir. Studien mit wenigen Teilnehmenden oder auf Interviewbasis nennen wir so. Wo Quellen sich widersprechen, etwa zur Rechtskraft eines Urteils, lassen wir die strittige Angabe weg.
- Jede Zahl mit Quelle, Datum und Abrufdatum. Sie stehen in unseren Daten, aus denen diese Seite gebaut wird. Die Zahlen wurden vor der Veröffentlichung einzeln gegen die Quellen nachgeprüft.
- Vierteljährlich. Wenn Eurostat, Destatis oder die EZB neue Werte veröffentlichen, aktualisieren wir den Bericht und ändern das Datum oben. Ältere Ausgaben bleiben in unseren Unterlagen.
Und bei Ihnen?
Was heißt das für Ihren Betrieb?
In 30 Minuten gehen wir die Befunde mit Ihnen durch: Was davon trifft bei Ihnen zu, was nicht, und was wäre der nächste Schritt. Kostenlos und ohne Verkaufsdruck.
Schreiben Sie uns oder rufen Sie an.
Wir schlagen Ihnen einen Termin vor. Kein Formular, keine Cookies: Ihre Anfrage geht direkt an uns.
Per WhatsApp einen Termin anfragenInformation, keine Rechtsberatung. Stand der Zahlen und Quellen: siehe jeder Befund. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns, wir korrigieren und vermerken es.